Auf nach Wuhan

Pharma-Engineering

Mitten in China baut das Gesundheitsunternehmen Fresenius Kabi einen neuen Produktionsstandortfür Medikamente auf – geplant und begleitet von Bayer Technology Services

800 Kilometer in fünf Stunden: Für ihr Projekt pendelten die Mitarbeiter von Bayer Technology Services mehrere Monate mit dem Zug von Schanghai nach Wuhan.

Huhanrong. So nennt der Volksmund den Hochgeschwindigkeitszug, der seit einigen Jahren Schanghai im Osten Chinas mit Chengdu im Westen verbindet. „Hu“ steht dabei für Schanghai und „han“ für Wuhan, eine Millionenstadt am Zusammenfluss von Jangtse und Han-Fluss, die auf der Strecke liegt. Früher dauerte die Zugfahrt zwischen den beiden Großstädten gut zehn Stunden. Seitdem die neue Schnellzugverbindung besteht, kann man die über 800 Kilometer lange Fahrt in fünf schaffen.

Für Eric Sun und ein gutes Dutzend seiner Kollegen von Bayer Technology Services China in Schanghai war das ein Glücksfall. 2014 arbeiteten sie viele Monate lang in Wuhan. Die allermeisten pendelten dabei jedes Wochenende. Mit dem Huhanrong.

Es war ein Auftrag von Fresenius Kabi, der die Bayer-Experten regelmäßig in die Hauptstadt der Provinz Hubei rief. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland baut dort seinen sechsten Standort in China auf. Vor allem, um dort Krebsmedikamente für den wachsenden chinesischen Markt zu produzieren.

Für sein Vorhaben hatte das Unternehmen zunächst ein Gebäude im neu gegründeten Wuhan-Biopark gepachtet. Doch das vierstöckige Bauwerk war da noch nicht auf alle Anforderungen ausgelegt. So hätte etwa die Tragfähigkeit der einzelnen Etagen und auch der Treppen nicht für das hohe Gewicht der Anlagen ausgereicht. Hinzu kam, dass der U-förmige Grundriss des Gebäudes gewisse Herausforderungen für das Anlegen von Produktionsstraßen mit sich brachte. Für die notwendigen Anpassungen suchte das Unternehmen daher einen Engineering-Partner – und gab schließlich Bayer Technology Services den Zuschlag. Zunächst musste ein geeignetes Umbaukonzept entwickelt werden. Unter der Projektleitung von Eric Sun erarbeitete ein Team von über 30 Experten binnen zwei Monaten einen Entwurf. Für einige Kollegen bei Bayer Technology Services war es das erste Engineering-Vorhaben im Pharma-Umfeld. Das heißt, es war ein Bauprojekt mit ganz besonderen Anforderungen. Unter anderem müssen in solchen Gebäuden die strengen Vorgaben der sogenannten Good Manufacturing Practices (GMP) umgesetzt werden.

In Wuhan waren das zum Beispiel die Reinraumzonen der besonders strengen Klasse A. Alle Abfüllbereiche mussten dieser Vorgabe genügen. Klasse A bedeutet unter anderem: Partikel mit einer Größe von mehr als fünf Mikrometern dürfen höchstens 20-mal pro Kubikmeter Luft vorkommen. In der klassischen chemischen Produktion, für die viele Kollegen bisher gearbeitet hatten, gibt es so strenge Vorgaben nicht.

„Wir waren beeindruckt von den Fähigkeiten und hohen Standards bei Bayer Technology Services“

Yueyun Chen

Standortleiter Wuhan, Fresenius Kabi

Und noch etwas ist anders: Heizen, Lüften, Klimatisieren – dieser sogenannte HVAC-Komplex (Heating, Ventilation, Air Condition) ist im Pharma-Umfeld viel ausgeprägter als bei der Verarbeitung von Petrochemikalien. Ein Heizungssystem, wie es für das Gebäude in Wuhan geplant wurde, ist im chemischen Produktionsumfeld in der Regel gar nicht üblich.

Auch bei der Anordnung von Geräten oder Bauteilen gibt es gemäß GMP mehr zu beachten. So müssen zum Beispiel die Abstände solcher Komponenten zur nächsten Wand immer so groß sein, dass die Zwischenräume gut gereinigt werden können, um den Hygieneanforderungen zu genügen. An so etwas muss man denken. Dafür sorgte Yang Lu. Die erfahrene Ingenieurin kennt sich mit Pharmabelangen bestens aus und leitete dann auch die Konzepterstellung.

Andere Dinge sind allerdings auch einfacher, wenn man eine Medikamentenproduktion plant. „In der Regel ist alles eine Nummer kleiner, weil es bei Pharmaprodukten um viel geringere Mengen geht“, erklärt Projektleiter Sun. So übersteigt in einer petrochemischen Anlage mitunter schon der Ausstoß eines einzigen Tages die gesamte Jahresproduktion einer Medikamentenfertigung.

Nachdem das Team um Sun ein überzeugendes Konzept erarbeitet hatte, vergab Fresenius Kabi direkt zwei Folgeaufträge. So sollte Bayer Technology Services auch einen Teil der Beschaffung sowie die Projektleitung für die Bauphase übernehmen. Und so kam es, dass rund 15 Mitarbeiter von Sun ein halbes Jahr lang vor Ort waren. Und damit regelmäßige Fahrgäste im Huhanrong-Schnellzug.

Im September 2014 war der erste Teil des dreiphasigen Bauprojekts abgeschlossen. Dass das Projekt trotz einiger technischer Hürden absolut im Zeitplan geblieben war, sorgte beim Auftraggeber für zufriedene Gesichter. Yueyun Chen, Plant Manager Wuhan von Fresenius Kabi: „Wir waren beeindruckt von den Fähigkeiten und hohen Standards des Teams von Bayer Technology Services. Die Kollegen lieferten für alle technischen Herausforderungen proaktiv Lösungen, so dass der Zeitplan gehalten werden konnte.“ Der Standortleiter freute sich auch über die hohen Sicherheitsstandards und darüber, dass es während der ganzen Zeit zu keinerlei Zwischenfällen gekommen war. Es werde vermutlich nicht das letzte gemeinsame Projekt in China gewesen sein, so Chen.

Die Kollegen von Bayer Technology Services in Schanghai würde eine erneute Zusammenarbeit sehr freuen. Und wer weiß: Vielleicht würden sie dann ja auch eine weitere Schnellzugverbindung kennenlernen.

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  1. Huijie HongFK project is one of very successful pharm project done by BTES in China. The team is really great step by step to let the project going forward, and at same time, the team get trust from FK. One of the key for success is the quality. The quality is not only focus on the deliveries but also communication, respect, and attitude. Thanks for the team to make things happen. Also thanks for the high-speed train to make life more easy.
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